Mittwoch, 2. Oktober 2013

Unser Jetlag und der "Nacht"-Flug


"Ich habe fast eine Woche lang nur geschlafen."
"Sie konnte nicht arbeiten gehen. Es war, als habe sie die Grippe."
"Die Woche Urlaub habe ich noch gebraucht. Ich war so dermaßen neben der Spur."
Eine Mannschaftskameradin war an einem Sonntag in D gelandet und am Freitag noch übelst neben der Spur.
Sollte das normal sein???
Nö.
Wenn man über mehrere Zeitzonen von Ost nach West reist, ist es ja angeblich nicht so schlimm, wie von West nach Ost. Ein Tag wird einem dann geklaut und der Organismus und seine Hormone wissen deshalb nicht wohin mit sich und sind ganz verwirrt.
Mein Mann geht nun, wie gestern erwähnt, seit gestern wieder arbeiten. Das heißt er steht zwischen 6 und 7 auf. Ich habe noch frei, könnte nach meinem Befinden jedoch auch wieder arbeiten gehen. Obwohl wir in LA am Donnerstag um 21Uhr Abends gestartet sind und in MUC am Freitag um 15:30 gelandet. Ein Tag weg.
Auf dem Hinflug haben wir es schon so gemacht, dass wir im Flugzeug nicht geschlafen haben. Da war es ja eh den kompletten Aufenthalt im Himmel über hell. Es gab eine Menge zu gucken. Das Meer, das grönländische Eis, Alaska und Kanada... atemberaubend! Die Maschine war ein älteres Modell, sodass nicht jeder einen Touch-Bildschirm vor sich hatte. Man musste schauen, was auf den allgemeinen Bildschirmen angeboten wurde. Auch das Radioprogramm wiederholte sich irgendwann. Also spielte ich Solitär auf dem Handy oder löste Kreuzworträtsel. (In Flugzeug, Bahn und am Strand habe ich immer ein Kreuzworträtselheft dabei. Wie Oma-mäßig..jaja. ;P ) Die meisten schliefen also da schon. Wir landeten um 17:xy in LA, mussten durch zwei Sicherheitskontrollen, vor denen die Schlangen ellenlang waren, mussten danach zur Mietwagenagentur und dann noch ins Hotel. Da fielen wir dann um 20:00 rum ins Bett und schliefen sofort wieder ein. Dementsprechend wach waren wir schon um 4 Uhr in der früh. So ging das ein paar Tage, aber eigentlich kein Problem. Tagsüber waren wir fit und energiegeladen.
Während des Rückfluges gab es zu Beginn ein Abendessen. Nach dem Abendessen schliefen alle Passagiere nach und nach ein. Ich möchte behaupten, dass vll 10 Leute den gesamten Flug über wach waren. Die Piloten hoffentlich mit eingeschlossen, nachdem man ja das ein oder andere gerade in den Nachrichten sehen konnte... Zu den wenigen zählten mein Mann und ich. Dieses mal hatte jeder seinen eigenen Bildschirm. Ich schaute so halb "After earth" (Naajaaaaa), dann "Der große Gastby" (wunderbarer Film!), dann Hangover III (hätten sie sich sparen können). Draußen wurde es wieder hell. Aber die Flugbegleiter bestanden darauf, dass die Fenster verdunkelt blieben, damit die 90% weiterpennen konnten. Vor wir hatte der Kerl bereits direkt nach dem Abendessen seinen Sitz bis gaaaanz unten runter geklappt und verblieb so bis 45 vor der Landung. Natürlich machten wir die Fenster trotzdem immer mal wieder auf, damit wir selbst nicht einschliefen und, um etwas von Grönland zu sehen.
Das fand ich ja unmöglich. Unsereins bleibt wach und quält sich mit den nach hinten geklappten Sitzen der Vordermänner rum und darf dann noch nicht mal das Fenster auf machen!
Dabei ist es auch auf dem Rückflug gerade falsch zu schlafen. Da ist man 10 Stunden weggetreten, wird am späten Nachmittag wieder wach und kann natürlich in der Nacht nicht mehr schlafen. Und schläft dann wieder wenns hell wird.... Aber klar, war die letzten 2-3 Stunden schon hart wach zu bleiben. Da hat man die interessantesten Filme geguckt und das Kreuzworträtseln auch keinen Spaß, weil man sich den Hals verrenken muss, um seine Sitzablage sehen zu können.
Naja.. trotz alledem meine ich schon, einen kleinen Jetlag zu haben. Sonntag haben wir beide bis halb 12 geschlafen. Für mich sonst undenkbar. Ich stehe sonst spätestens 2-3 Stunden vorher auf, weil ich einfach nicht mehr schlafen und liegen kann. Dementsprechend schlummerte ich auch erst um 1 Uhr nachts ein. Gestern war ich seit 7 Uhr auf den Beinen und hab schon wieder um 22Uhr geschlafen. Und wann werde ich heute erst so wach, um auf die Uhr zu sehen? Um 12:15! Huch!! Hab aber auch tolle Sachen geträumt. Wir wären noch in Amerika und ich müsste helfen Kastanien-Palmen mit menschengroßen Blüten zu bestäuben. Das sah toll aus! 88| ;D
Also einen kleinen Jetlag hab ich wohl. Aber ich bin nicht verpeilt oder fühle mich krank. Es lohnt sich, so lange auf zu bleiben, bis im Ankunftsland wieder nachtschlafende Stunde ist. Egal wie verlockend der Schlaf im Flugzeug sein sollte.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Kleines erstes USA-Fazit. Lieber aufgesetzt freundlich, als gar nicht!


Zuerst einmal bin ich natürlich irgendwo froh, wieder zu Hause zu sein. Auch, wenn ich seit der ersten Nacht schon wieder komisches Zeug träume und nicht weiß, was ich vor lauter Langeweile mit mir anfangen soll. Jetzt noch schlimmer, da mein Mann diese Woche schon wieder arbeiten geht, ich aber noch Urlaub habe. Ja... da hatte unsere Kommunikation Schwächen. Sonst wäre ich auch ab heute wieder arbeiten gegangen. Denn, wenn ich ehrlich bin, führe ich so weit ab meiner zerrütteten Familie und meinen in ganz Deutschland verstreuten Freunden, ein recht einsames Leben und liebe es an die Arbeit zu gehen.
Seit wir in Los Angeles in die Maschine zurück nach Deutschland gestiegen sind, vermisse ich die Höflichkeit und Gelassenheit der Amerikaner (zumindest von denen aus Kalifornien, Arizona, Nevada und Utah, woanders war ich ja noch nie). Natürlich waren nicht alle Leute nett, aber weeeeiiiitaus mehr als in unserem Lande.
++++Achtung! Achtung! ich rede ausschließlich über Kontakte in Hotels, Läden, öffentlichen Verkehrsmitteln, Beamten, Restaurants, Schaltern von Nationalparks, Smalltalks mit anderen (amerikanischen) Touristen etc... nicht von tiefergehenden sozialen Kontakten+++++
Man sagt den Amis nach, sie seien oberflächlich und ihre Freundlichkeit sei falsch. Wayne? Ist es in Deutschland nicht genauso? Nur, dass wir uns damit rühmen, wenn wir olle Muffelköppe sind, dass wir ja ach so ehrlich sind? Auch bei uns kann man lange nicht davon ausgehen, dass jeder der nett ist, es auch nett meint. Da werd ich aber lieber von der Bedienung oder dem Busfahrer freundlich oberflächlich in einen Smalltalk verwickelt, als hier von Verkäuferinnen an der Kasse böse angeblitzt, weil ich mich erdreiste, einkaufen zu gehen.
Wir saßen und standen in überfüllten Bussen. Niemand meckerte! Dass es ja so voll sei und dass man keinen Platz hätte und dass man da jetzt gefälligst raus müsse. Ganz anders direkt im Shuttlebus vom Flughafen in MUC zum Urlauberparkplatz.. Als müsse man in der Wüste verdursten, wenn man jetzt dieeesen Bus nicht bekommt oder für jemand anders mal kurz aussteigt, weil er raus muss.
Menschengedränge auf der Fähre oder dem Bürgersteig. Kein Geschubse, kein Vordrängeln, keine bösen Blicke.
4 Autos stehen an der Kreuzung, niemand fährt... Der Deutsche macht wilde Handbewegungen oder hupt. Die Amis warten halt, bis dann mal jemand fährt oder geben höflich Handzeichen.
Der Obdachlose, dem du kein Geld gegeben hast, beschimpft dich nicht hinter deinem Rücken oder spuckt auf den Boden. Und wir sind leider an sehr vielen Obdachlosen vorbei gekommen. Ein sehr schockierendes Bild. Der Ort kann noch so klein sein, es gibt viele Bedürftige.
Im Supermarkt. Die Angestelle schwingt morgens um 7 den Wischmopp, summt eine Melodie und ruft "Good morning! How are you?" Als Deutscher ist man da doch sehr irritiert und ist geneigt, davon recht schnell genervt zu sein, wenn von überall auf einmal "Hello!" "How are you?" kommt. Oder die Kellnerin einen einfach nicht essen lassen mag, weil sie zum dritten Mal wissen möchte, ob denn alles in Ordnung ist. Aber irgendwann gewöhnt man sich daran, findet Gefallen daran, bekommt gute Laune davon und jetzt in Deutschland vermisst man es.
Naja.. schon im Flugzeug... Die Toiletten waren unten. Ich weiß nicht.... wie oft.... ich jemanden... alt... jung.... Mann....Frau.... zuerst die Treppe habe hinaufsteigen lassen (obwohl ich es dreimal vor ihnen runter geschafft hätte) und dann noch lächelnd die Schwingtür aufgehalten habe..... Irgendjemand "Danke" gesagt oder auch nur genuschelt? Um Gottes Willen! Selbst die meisten Flugbegleiter waren unhöflich!
Der Zollbeamte in USA bei einer letzten Sicherheitskontrolle... ein warmes Lächeln. Ein "Have a great day!" Von ihm und von mir. Der Zollbeamte in Deutschland... "Hallo!" *lächel* "hamlmfo" *böse guck* "Danke, schönen Tag!" *lächel* "schüsss" Ich habe das Gefühl, dass wir Deutschen uns zu leicht verarscht fühlen, wenn jemand freundlich ist. Wenn ich im Supermarkt vorm Regal stehe und plötzlich redet mich jemand über ein Produkt an, ob er sich das wohl kaufen soll und ob ich da Erfahrung mit hätte... da denken wir doch alle, dass der psychisch einen Weg hat oder uns bestehlen oder gar ermorden will. Man redet hier nicht fremde Leute einfach so an! Ausser um nach der Zeit oder nach dem Weg zu fragen.
Nicht alle... aber viele. Und ich tue das meist selbst. Oft laufe ich selbst böse blickend durch die Gegend. Diese Atmosphäre zieht einen aber auch runter. So wird es wohl den meisten gehen. Wenn zu 80% Gemecker, Gemaule oder NICHTS zurück kommt. Da meckern und maulen wir einfach auch alle möglichen Leute an. Auch wenn der falsche es abbekommt, der nett sein wollte. Ein Teufelskreis ganz eindeutig.
Probe aufs Exemple heute in der früh. Konnte nicht mehr schlafen. Stand um kurz vor 7 auf. War um kurz nach 8 im Edeka. Stur lächelte ich fremde Leute an. Niemand lächelte zurück. Montagsmorgens um 8! Pfff... was hab ich mir gedacht. Stehe in der Obst- und Gemüseabteilung. Ein Angestellter räumte gerade Orangen ein. Ich stand im Weg und wurde mit der Kiste sanft beiseite geschoben. 'Schuldigung, dass ich hier einkaufe. Wie oben schon mal erwähnt. Überall liefen Edekarianer herum und räumte die leergekauften Regale vom Samstagabend auf. (ich gehe nie wieder Montagmorgens ins Edeka. Da kriegt man nichts! Alles leer gekauft...) Eine Edeka-Dame mit vollem Warenwagen ließ ich durch und machte Platz. Kam ein Danke??? Nein! Nur ein böser Blick, nach dem Motto: "Sie haben mich aber früüühhh bemerkt!" Hallo? Was war der Kunde? König kann es nicht gewesen sein. Überall standen die Weibsen rum und machte eine den Kunden Platz? Nö. Eine andere Kundin schob für mich den Wagen beiseite, ich bedankte mich. Sie starrte mich nur an.
Aaaber die ältere Dame an der Kasse war sehr freundlich und es sind ja nicht immer alle, die einem begegnen auf einen Haufen soo scheiße drauf. Montagmorgen wohl, he?
Nur... ich denke. Wenn wir alle ein bisschen freundlicher wären und nicht gleich jedem misstrauisch gegenüberstehen würden, weil er mir die Butter vom Brot klauen könnte, würden wir den Teufelskreis der Miesepetrigkeit durchbrechen. Aufrichtig oder nicht. Viele Menschen würden entspannter einschlafen und fröhlicher aufwachen.